Lesenswert ist vieles – weniges ist aber gleichzeitig gut geschrieben und hintergründig. ALLES ANSICHTSSACHE ist ein Versuch, guten Journalismus oder die Intension dahinter darzustellen. Selbstverständlich ist die Auswahl subjektiv – warum auch nicht. Artikelvorschläge werden natürlich gerne entgegengenommen – Kommentare zu den aufgezeigten Artikeln selbstverständlich ebenso.

Jedes Risiko beinhaltet Chancen: Verhaltensökonomik

Verhaltensökonomik als eigenständiges Fach: Wirtschaft und Psychologie

Amos Tversky und Daniel Kahneman begründeten in den 70ern die sogenannte Erwartungstheorie: Menschen gewichten bei Entscheidungen Risiken unverhältnismäßig höher als Chancen, suchen für nicht vorhergesehene Ereignisse häufig rationale Erklärungen, reden oft falsche Entscheidungen schön oder halten sich lange an geäußerte Meinungen fest.

Aus dieser Theorie wurde die Verhaltensökonmik entwickelt und die beiden revolutionieren mit ihren Forschungen die Wirtschaftswissenschaften. Kahnemann erhält später den Nobelpreis.

Ein sehr lesenswerter Artikel der FAZ online schildert im Rahmen einer Buchpräsentation die Geschichte der beiden Forscher.

(Quelle: Alexander Armbruster, FAZ online)

 

Erwachen der Ohnmacht: Demokratie versus Künstliche Intelligenz

Die Entwicklung verläuft von der Programmierung von Computern zur Programmierung von Menschen.

Ein interessanter Blogbeitrag von Joachim Müller-Jung: Neun unabhängige Forscher, zusammengeführt von dem Züricher Physiker und Soziologen Dirk Helbing und dem Berliner Risikoforscher und Psychologen Gerd Gigerenzer, sehen wie der Genforscher Hengstschläger, die „Menschheit an einem Scheideweg“.

Die Gefahr für die Demokratie mit den Waffen der Demokratie beseitigen

Die Autoren stellen einen interessanten Weg dar, die eigene Kontrolle über Daten wie auch Algorithmen zurückzugewinnen.

Nicht nur für Kino- und Science-Fiction-Fans eine Chance, skynet zu verhindern. Vor allem in Zeiten in denen Chip-Hersteller Unternehmen kaufen, die spezialisiert auf autonome Flugsysteme sind. Ein Schelm ist, wer Böses denkt und sich an bestimmte Drehbücher bekannter Kinofilme erinnert …

 

Quellen:

Zurück in die Vergangenheit: Über die Freiheit Wissen zu vermitteln oder wie man Zukunft mit Urheberrecht verbietet

Die Wahrung von Urheberrechten (oder daran bestehender Nutzungsrechte) ist ein wichtiges Gut. Die Bezahlung von geistigen Urhebern auch. Wenn allerdings dadurch schon an Schulen und Universitäten „Zukunft regelrecht verboten wird“ stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit.

Die Einzelmeldung von im Unterricht oder in Skripten verwendeten Drittquellen zur Vergütungsregelung an die VG Wort und der damit verbundenen Abwendung von Pauschalvergütungen für Autoren sprengt jeden Rahmen.

Quellen:

Über das Recht „Recht zu bekommen“: Revision am Bundesgerichtshof aus der Sicht eines Bundesrichters

„Verantwortliche Bürger wollen sich in öffentlichen Debatten eine eigene Meinung bilden“ ist eine der Kernaussagen von Michael Sandel, wenn er über „Was ist gerecht“ spricht. Die Frage ist nur: Hat Gerechtigkeit auch mit „Recht bekommen“ zu tun? Und welche Rolle spielen hierbei unsere höchsten Gerichte beispielsweise bei Revisionsverfahren?

Der Bundesrichter Thomas Fischer, Kolumnist der ZEIT, hat sich – empirisch gestützt – mit dem Thema „Revisionsverfahren beim Bundesgerichtshof“ befasst.

Unabhängig von vielen geschilderten Einzelfaktoren kommt er in einer empirischen Erhebung zum Ergebnis: „Er hat daher eine statistische Erhebung der Revisionen beim 2. Strafsenat über einen Zeitraum von fünf Jahren durchgeführt und veröffentlicht. Sie ergab, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Person des Berichterstatters und der Erfolgsquote der Revisionen bestehe.

Lesenswert und macht sehr nachdenklich. Vielleicht ein Grundstein für eine notwendige öffentliche Debatte.

Quellen:

 

 

 

 

Vom Frosch zum Vordenker: „Wir müssen die Welt auf den Kopf stellen“

Betrachtet man die Designstudien aus den 80ern, wie sich (heute noch) führende Designer die Zukunft von PC´s, Notebooks, Tablets, Eingabegeräten und Bildschirmen vorstellten, bleibt nur eines übrig: Schnell das Haupt neigen und ebenfalls die Dinge und die Welt auf den Kopf stellen um voran zu kommen. Somit: Sei nicht nur Frosch – werde zum Vordenker!

Hartmut Esslinger: Wir müssen die Welt auf den Kopf stellen, Fernsicht Region Stuttgart, Aufzeichnung aus 2012

Zum weiterlesen:

Dogma der totalen Kommunikation: Epoche der Augenzeugen

Kurt Kister schreibt in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung zu Recht: „Nicht-Wissen scheint es in dieser Zeit der Total-Kommunikation nicht mehr zu geben – jedenfalls nicht jenes Nichtwissen, das Menschen daran zweifeln lässt, ob ein Epochenereignis wirklich geschehen ist.“

Augenzeugen sind keine Glaubenszeugen mehr

Die Augenzeugen-Gesellschaft Einzelner wird mit Hilfe der Massenkommunikationsmittel nach seinen Worten ersetzt durch „ein Gesumme der Masse […] Jeder, der will, brummt mit. Im Matthäus-Evangelium heißt es, wo zwei oder drei in Jesu Namen versammelt seien, sei er unter ihnen. Wenn heute drei versammelt sind, glotzen zwei ins Smartphone und einer tippt eine SMS.“

Technologie verändert unser Leben – zu schnell?

Im Hintergrund steht ein Vorgang, der uns unwissentlich wie auch wissentlich in allen Lebensbereichen beschäftigt: „Die Technologie der allgegenwärtigen Kommunikation hat das Leben in so kurzer Zeit so sehr verändert, wie das noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit der Fall war.“ Die Profiteure – ohne das dies eine Wertung sein soll – sind Unternehmen, Organisationen oder Behörden, die sich dem „Suchen, Ordnen und Hierarchisieren in dieser Augenzeugengesellschaft am erfolgreichsten widmen“.

Nicht alles was öffentlich ist, muss auch richtig sein

Aber auch die durch diese Medien scheinbar gewonnene Transparenz ist in vielen Bereichen nur eine scheinbare: Die Validität und Informationstiefe der angebotenen Daten ist zumindest mit Vorsicht zu geniesen: „Die Vorstellung, etwas müsse nur öffentlich werden, damit es besser werde, ist falsch.“

Ein lesenswerter Artikel.

Quelle: Kurt Kister: „Epoche der Augenzeugen“, Süddeutsche Zeitung online, http://www.sueddeutsche.de/digital/internet-und-gesellschaft-epoche-der-augenzeugen-1.2274559

Neil Armstrong: Das Ende der Visionen und uneingelöste Versprechen

Frank Schirmacher bringt es auf den Punkt: „Mit der Mondlandung endete das Zeitalter der großen Visionen. Danach lösten die Menschen keine Versprechen mehr ein. Was blieb, ist, dass heute jeder auf der Erde ein Leben in der Raumkapsel führt.“ Zum Tod von Neil Armstrong führt der Autor und Mitherausgeber der FAZ den Beweis, das nach dieser einzigartigen Leistung nicht mehr viel kam – zumindest nichts von den damals nach der Mondlanung geborenen Versprechen, was man denn jetzt mit diesem background so alles schaffen könnte. Übrig bleibt nur die Frage: „Wieso ist die Zukunft zu Ende? Warum gibt es seit vierzig Jahren fast keinen wirklichen technologischen Fortschritt mehr, der die Versprechungen einlöst, die uns gemacht wurden?“ Die Technologie hat die Welt und den Menschen verwandelt, aber richtigen Fortschritt gibt es seit 40 Jahren nicht mehr. „Das Ende der Zukunft“?

Oder einfach: Zurück in die Zukunft?

> Frank Schirmacher, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/neil-armstrongs-epoche-das-drama-einer-enttaeuschung-11869090.html

Gerechtigkeit für Alle: Michael Sandel „justice“

„Verantwortliche Bürger wollen sich in öffentlichen Debatten eine eigene Meinung bilden“ lautet eine der Kernaussagen von Michael Sandel. Er ist der „Star der Gerechtigkeit“, seine grundsätzliche Vorlesung über „Was ist gerecht“ zieht jedes Jahr viele tausend Studenten in die Vorlesungssäle der Harvard-Universität. Insbesondere in Asien wird die online-Version davon unter www.justiceharvard.org millionenfach heruntergeladen.

Interessante Überlegung: Ist unsere Welt schon so weit, dass wir „Stars der Gerechtigkeit“ benötigen, um darüber Bescheid zu wissen?

> Zeit online, Michael Sandel http://www.zeit.de/2011/51/Michael-Sandel

www.justiceharvard.org

Die Wirklichkeit der Welle und der Funktion unserer Existenz

Auf der Suche nach der perfekten Welle sind nicht nur die besten Surfer der Welt sondern auch die besten Quantenphysiker – und dies seit mehr als hundert Jahren; oft verbunden mit erbitterten Fachdiskussionen. Legendär ist der Streit zwischen Niels Bohr und Albert Einstein, mancher erinnert sich an das berühmte Zitat: „Gott würfelt nicht“.

Die Interpretation der fundamentalen Frage wie die Wellenfunktion eines quantenphysikalischen Objektes zu interpretieren ist bzw. ob die Natur per se unscharf ist oder es eine tiefer liegende Realität gibt, hat einen neuen theoretischen Ansatz erhalten. Die Entwickler dieses Ansatzes weisen der Wellenfunktion viel mehr zu als zu als die eines Werkzeuges zur Berechnung von Wahrscheinlichkeiten. Die Lösung: Man müsse ihr vielmehr eine konkrete physikalische Realität zuweisen. Der besondere dabei: Niemand kann sagen, wie diese Realität aussieht. Dieser Lösungsansatz hat noch vor Veröffentlichung in Fachkreisen zu einer großen Debatte geführt.

Ulrich Schnabel: „Dabei ist das Erstaunlichste an dieser Debatte, dass sie überhaupt geführt wird. Das zeigt, wie unsicher sich die Physiker ihres theoretischen Fundaments in Wahrheit sind.“

Interessant dabei: Wir reden hier vom theoretischen Unterbau unserer gesamten Existenz.

> Ulrich Schnabel: http://www.zeit.de/2011/49/Quantenphysik